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Der Fischmarkt von Beruwala

Die Morgenstunden gehören in Sri Lanka den Einheimischen. Die sonst allgegenwärtigen Touristen schlafen ihren verdienten Urlaub aus. In diesen angenehm kühlen Stunden, herrscht hoher Betrieb, die wichtigen Besorgungen und Erledigungen werden jetzt gemacht. Der Bäcker hat sein frischgebackenes Brot schon verkauft,  die Schuhe, die man am Vorabend zum Schuster gebracht hatte, sind zum Abholen fertig. Die Kinder büffeln in der Schule. Die Beamten in den Büros haben die ersten  Schmiergelder eingesteckt. Die wahren Frühaufsteher trifft man aber in Beruwala am Fischmarkt. Noch im Dunkeln warten die Käufer und Kollegen geduldig auf die Rückkehr der Fischer. Bevor die Sonne am Horizont erscheint sind schon die ersten zurückkommende Boote auszumachen. Mit den ersten Sonnenstrahlen stoßen sie ihre Boote in den Sand oder ankern kurz vorm Strand an und im Nu ist er zum Markt geworden. Die Fische werden angeschleppt und unter lautem Geschrei am Boden zu Gruppen ausgebreitet. Die salzige Luft wird vom Angebotsgeschrei erfüllt und ein Ring von Fischern, Käufern und Schnorrer grenzt eine Sorte Fische von der anderen ab. Mal Thunfisch, mal Makrelen, mal Haie, die im Sand ruhend ihre Gefährlichkeit verloren haben. Daneben liegen Fische die ich zum ersten Mal sehe. Hier ein Haufen der besonders farbig ist und dort ganz kleine Exemplare, die sicher jedem Aquarium zu neuem Glanz verhelfen würden. Die großen Fische werden gewürdigt und bei den ganz Prächtigen, kriegen auch die schweigsamsten Gaffer eine Bemerkung über die   Lippen. Der Thunfisch wird gewogen, den Haien werden die Flossen mit grobem Messer abgeschnitten und auf gesonderten Haufen aufgebart, der Rest der imposanten Körper bleibt liegen, also fast ganze Hai wird billig abgegeben. Da wird nichts eingefroren oder getrocknet,  es wird am gleichen Tage gegessen, denn Morgen gibt es wieder einen frischen Fang. Was nicht verkauft wurde bleibt liegen am Strand,  zur großen Freude der Hunde und Seevögel. Was die nicht schaffen, holen sich später die Wellen zurück. Dass es in der Bucht von Haien nur so wimmelt stört niemanden, denn baden tun die Einheimischen in diesem Gewässer nicht. Die Fischerboote haben alle Größen. Es gibt Modelle die schon vor zwanzig Jahren als nicht gerade die Jüngsten galten, von den ganz Altertümlichen mal abgesehen und so manches aus dem Meer rausgeholte Wrack, das wieder zusammengebastelt wurde, bis hin zum primitivem Einbaum, der kaum Platz für den Fang bietet,  geschweige denn für den mutigsten Fischer. Alle Boote haben eins gemeinsam, sie sind so verrottet und unsicher, dass ich sie nicht betreten würde, auch jetzt nicht wenn sie im Hafen liegen. Der heutige Tag war sehr ergiebig. Die einen haben viel gefangen und die anderen haben billig eingekauft. Mich haben die unverdorbenen und schlichten Szenen in frühere Zeiten versetzt. So ähnlich mussten die Märkte auch bei uns ausgesehen haben. Ursprünglich hat man auch bei uns den Fisch gefangen um ihn gleich zu verkaufen und zu essen. Mit der schwimmenden Fischindustrie auf dem Meer und den Kühlhäusern ist so ein  naturnahes Gefühl verloren gegangen, abgesehen davon, dass es in unserem Wasser kaum noch Fisch gibt. Einen Mangel an Fisch gibt es in Beruwala nur an Vollmondtag. Dann ist der Fang sehr mager und der spärliche Fisch sehr teuer. Anscheinend schwimmen die Fische dann weit hinaus um den Vollmond ungestört zu genießen.